23.8.2016

Interview Maturaarbeit

Für die Maturaarbeit von Albin Osmani aus der Klasse 6d im Kollegi Stans, durfte ich ihm Red und Antwort stehen zu meiner politischen Arbeit und zu weiteren Themen. Besten Dank Albin für das Interview und ich wünsche Dir viel Glück! 

Wie bist du politisch aktiv?

Ich bin seit 2009 Mitglied bei der CVP, also zurückgerechnet war ich damals 16 Jahre alt, was auch relativ selten ist, da die Meisten erst mit 20 oder mehr Jahren einer Partei beitreten. Mittlerweile bin ich aber Präsident der JCVP in Nidwalden.

Woher kommt das politische Interesse?

Ich kann jetzt nicht behaupten, dass es mir einfach so in die Wiege gelegt worden ist. Familiär bin ich nicht vorbelastet, denn ausser mir ist niemand politisch aktiv. Woher das Interesse kommt, weiss ich eigentlich selbst nicht. Früher in der Schule interessierte ich mich jedoch für Geschichte: Von der französischen Revolution über die Weltkriege und der Gründung der Schweiz sowie die Mitverfolgung der Wahlen weckten bei mir das Interesse. Ich war ausserdem drei Mal an der eidgenössischen Jugendsession im Bundeshaus in Bern, wo von jedem Kanton zwei Vertreter geschickt werden und über aktuelle Themen diskutiert wird. So kam ich ein bisschen in die Politik hinein. Ich habe einfach früh gemerkt, dass man selbst aktiv werden muss, damit die Zukunft in der eigenen Hand liegt. Grundsätzlich hat ja alles irgendwie mit Politik zu tun.

Du sagtest, dass Dir die Politik nicht in die Wiege gelegt worden ist. Von welchen Akteuren wurdest du am meisten politisch gebildet?

Bei uns zuhause wurde nur sehr wenig über Politik diskutiert, zuhause politisiere ich ehrlich gesagt auch nur selten. Mit Staatskunde-Unterricht und somit das Kennenlernen von Parteien während meiner Schulzeit hat es deshalb überhaupt erst angefangen. Seit ich bei der JCVP bin habe ich um mich herum ein paar Leute als Begleiter, die ich immer miteinbeziehen kann bei gewissen politischen Entscheidungen.

Durch dein selbständig erlangtes Interesse hast Du dir somit selbst deine eigene Meinung gebildet. Wie kommst Du auf die JCVP?

Als ich mich damals entscheiden musste in welche Richtung es gehen soll, habe ich mir die Parteien erstmal angeschaut und ihre Profile gelesen. Die CVP war die einzige Partei, die mich angesprochen hat, da sie für mich die grösste Themenvielfalt hat. Da geht es um Familienpolitik, Gesundheitspolitik, KMU, Verkehr, Bildung etc. Eigentlich ist so gut wie alles drinn. Bei uns liegt der Schwerpunkt nicht wie bei anderen Parteien bei der Umwelt oder Ausländern und das war für mich ausschlaggebend. So wie ich es bis jetzt erlebt habe, kann man bei der CVP immer seine Meinung frei sagen und diese wird auch akzeptiert, schlussendlich bist du ja in der Politik, um deine eigene Meinung auszusprechen und nicht auf andere zu hören. Ich bin rundum zufrieden bei der CVP und einen Parteiwechsel sollte man ja sowieso nicht machen.

Was für eine Schule hast Du abgeschlossen?

Die obligatorische Schulzeit habe ich in Ennetbürgen abgeschlossen. Danach kam logischerweise die Lehre als Detailhandelsfachmann, schliesslich bin ich 2012 auf die Versicherungen umgestiegen und arbeite heute bei der AXA Winterthur und mache eine Weiterbildung. Das Schöne an der Sache ist, dass ich meinen Job gut mit der Politik vereinbaren kann, sonst könnte ich dieses Hobby nicht ausüben.

Bleiben wir bei der Schule: Bist Du der Meinung, dass die Schule politisch genügend bildet, obwohl Politik in vielen Schulen Nebensache ist?

Bei der Frage kommt mir immer der Metzger in den Sinn, der fragt: Darf es noch ein bisschen mehr sein? Ja, es dürfte noch ein bisschen mehr sein. Ich warf einen Blick auf den Lehrplan 21, der eingeführt werden sollte. Dort ist die Politik drinn, also nicht als Fach aber sinngemäss, d.h. der Fokus wird mehr darauf liegen als jetzt, aber man könnte auch darüber diskutieren, ob es Staatskunde als Fach braucht. Bisher hat man dies in anderen Kantonen auch schon gefordert. Meiner Meinung nach könnte oder sollte die Schule ein bisschen praxisorientierter unterrichten, beispielsweise mit einem Besuch im Landratssaal, Bundeshaus oder Podiumsgesprächen an Schulen. Solche Dinge sind eben auch sehr wichtig, um die Jungen auf Wahlen vorzubereiten. Zu wissen, wie man ein Abstimmungsvorlage liest etc. liegt unter anderem in der Verantwortung der Schule. Es stellt sich trotzdem die Frage: Bis wohin ist die Schule für politische Bildung verantwortlich? Das ist auch eine Frage des Aufwands und der Kosten.

Nach Stoffplan haben die Schulen hier in Nidwalden viel Freiraum, um selbst zu bestimmen, wie viel Staatskunde unterrichtet wird. So hängt es meist von den Lehrpersonen ab, wie gut man politisch gebildet wird. Das führt dazu, dass wir ein bisschen hinterherhinken, verglichen mit der Romandie beispielsweise. Wäre die Anpassung des Lehrplans also eine geeignete Lösung?

Wie bereits gesagt könnte man über Staatskunde als Fach diskutieren. Dafür müsste man aber wieder den ganzen Lehrplan über den Haufen werfen. Die Herrschaften im Parlament in Stans wären damit wohl nicht sehr schnell einverstanden. Ich bin aber davon überzeugt, dass das Volk anders entscheiden könnte, wenn es darüber eine Abstimmung geben würde.

Nach Befragungen zum Sorgenbarometer von Jugendlichen im letzten Jahr kamen je nach Bildung sehr unterschiedliche Resultate heraus. Während Berufsmaturanden und darüber die Beziehung zur EU als Problem ansehen, halten Auszubildende die Migration für das grösste Problem. Für ohne Lehre ist Arbeitslosigkeit in der Schweiz das zentrale Problem. Nimmt die Schule einen zu grossen Einfluss auf die politische Meinung?

Man ist sich bewusst, dass der Unterricht in den Schulen tendenziell eher links gerichtet ist. Das bedeutet sicher nicht, dass die Lehrpersonen zwangsläufig auch links sind, bloss das Gedankengut liegt eher auf der linken Seite. Die Beziehung zur EU als grösstes Problem von Maturanden erstaunt mich einerseits. An der Gesamtbevölkerung gemessen ist aber die Migration natürlich trotzdem ein wichtigeres Thema. Das ist aber auch jeden Tag in den Medien eine sehr diskutierte Problematik und etwas, worüber meiner Meinung nach auch Handlungsbedarf besteht. Um aber auf die Frage zurückzukommen: Junge Leute sind logischerweise einfacher zu beeinflussen als ältere. Darum bin ich der Meinung, dass die Schule einen zu grossen Einfluss nehmen kann bzw. schon teilweise nimmt.

Das kann sich auch zum Problem entwickeln da Jugendliche, die sich nicht anderweitig informieren zu sehr an der Meinung der Schule oder den Eltern hängen oder nicht?

Genau da fängt es ja auch schon an, schliesslich heisst es ja „sich eine eigene Meinung bilden“. Da kenne ich Leute, die sind um die 30 und auf die Frage, ob sie abgestimmt haben antworten, dass immer noch ihr Vater dies ausfüllen würde. Genau diese Leute sind dann womöglich wieder die, die darüber reklamieren, warum jetzt dieser Bus nicht mehr fährt oder was auch immer. Das dürfte eigentlich nicht so sein.

Studien deuten zwar darauf hin, dass die Jugend sich für Politik interessiert oder sie geben es zumindest an. Bezüglich politischer Bildung und Partizipation schneidet die Schweiz verglichen mit anderen Ländern jedoch mangelhaft ab. Das ist insofern erstaunlich, weil man in der Demokratie wie wir sie haben mehr bewirken kann als anderswo. Wie kommt es zur geringen Partizipation?

Bei einer Abstimmung geht es hier halt wirklich um ein Sachthema. Da spielen aber auch Emotionen mit. Manchmal mehr, manchmal weniger. Zum Beispiel im Fall der Asylgesetzrevision ein bisschen mehr als sonst, weshalb die Beteiligung eher grösser wird. Wenn es aber dann zuhause von den Eltern heisst: Lieber Sohn, liebe Tochter ihr müsst gar nicht nicht wählen gehen, da die Politiker sowieso machen was sie wollen. Das wird dann auch zu einem Problem. Das hängt somit auch ein bisschen von den Familien ab. Die letzten Abstimmungen hatten eine eher hohe Wahlbeteiligung, man hat aber nicht gemessen, wie gross die Wahlbeteiligung von Jugendlichen war. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Quote eher tief war. Was genau das Problem ist, kann ich mir nicht genau erklären. Die komplizierten Abstimmungsvorlagen und Wahlverfahren spielen sicherlich eine Rolle und ich finde da sollte man den Hebel ansetzen. Es gibt Formate wie easyvote, die mit Videos und einfachen Broschüren die Vorlagen erklären. Man könnte darüber nachdenken, solche Mittel für Jugendliche einzusetzen. Ich bin der Meinung, dass die Jungen sich in der Politik viel besser positionieren könnten, wenn sie bei den Wahlen für junge Politiker abstimmen gehen.

Gibt es sonst noch etwas, was die Politik bei der Mobilisierung von Jugendlichen falsch macht?

Das Problem ist, dass daran nicht gearbeitet wird. Bei Landratswahlen zum Beispiel waren und sind die Wahlverfahren kompliziert. Man sieht diverse Listen und fragt sich, woher die kommen und für man jetzt wählen sollte und so weiter, das schreckt natürlich viele ab. Etwas anderes wäre aber auch die Idee, über das Internet abzustimmen, das sogenannte „e-voting“, was von der JCVP Nidwalden auch schon gefordert wurde. Die Unterschriften hatten wir schon gesammelt, der Regierungsrat will dies aber etwas hinauszögern und das Thema 2019 wieder neu aufrollen. Bisher scheitert es an Sicherheitsbedenken, die meiner Meinung nach unverständlich sind. Mit solchen Methoden wie die einfachen Broschüren oder Abstimmen per Internet könnte man die Jugendlichen meiner Meinung nach mehr zur Partizipation locken.

Genau das sind die Dinge, die sich Jugendliche auch wünschen. Vielen wird es zu anstrengend, sich die Politiker bei ihren Reden anzuhören und verfolgen das Thema nicht mehr…

Ein Politiker geht in erster Linie nicht auf junge Wähler ein, weil sie über die geringe Partizipation von Jugendlichen Bescheid wissen. Darum liegt an die Jungen, selbst etwas zu bewirken und für ihre eigene Zukunft abzustimmen. Wir haben von der JCVP aus vor kurzem eine Umfrage gestartet über die politische Situation und es ist ganz interessant sich anzusehen, was für Antworten dabei heraus kommen. Das zeigt mir glücklicherweise auch ein wenig, dass ein gewisses Interesse da ist. Politik ist eigentlich überhaupt keine trockene Materie, sie wird aber als solche präsentiert.

Du bist ja Präsident der JCVP. Was sind eure Ziele und kann man diese mit denen von der CVP vereinbaren?

Grundsätzlich sind wir eine eigenständige Partei, das heisst, dass das Programm der CVP nicht viel mit unserer zu tun hat. Natürlich schaut man, dass man nicht zu sehr voneinander abweicht. Einige Themen schaut man sich gemeinsam an, aber grundsätzlich sind wir bei JCVP frei. Als die Partei vor ein paar Jahren gegründet wurde haben wir ein Parteiprogramm präsentiert, das relativ umfangreich war. Das ist inzwischen aber auch schon vier Jahre her, da wird es bald ein Neues brauchen. Es ging uns bei der Gründung aber einfach darum, alle Jungparteien in Nidwalden zu beleben, was uns leider nicht gut gelungen ist. Man kann sagen, dass wir hier in Nidwalden als aktivste Jungpartei gelten. Bezüglich Ziele sind wir breit aufgestellt, Bildung ist bei uns beispielsweise etwas Wichtiges, aber ich möchte jetzt nicht nur dies hervorheben. Wir wollen erreichen, dass die Jungen sich immer mehr für Politik interessieren und sich bewusster werden, wie die vom Landrat hier oder die Politiker in Bern entscheiden. Wir versuchen, die Jungen zu sensibilisieren und denen aufzuzeigen, dass es Leute in ihrem Alter gibt, die sich politisch interessieren und auch aktiv sind. Das ist uns sehr wichtig.

Kriegt ihr deiner Meinung nach genügend Achtung von der CVP oder werdet ihr einfach als kleine Jungpartei abgestempelt?

Wir haben hier das Glück, dass wir von der CVP sehr geschätzt werden. Seit der Gründung der JCVP 2012 in Nidwalden haben sich auch bei der CVP einige Dinge geändert. Wir konnten ihnen ein bisschen mehr Schwung bringen, den wir für die Wahlen 2018 mitzunehmen versuchen. Wir werden deswegen meist in Diskussionen miteinbezogen, es finden jedes Jahr Sitzungen mit dem Vorstand der CVP ab etc. Ich bin mit der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen CVP und JCVP sehr zufrieden.

Wie versucht ihr hier, Jugendliche zu mobilisieren?

Das Meiste läuft über Mund-zu-Mund Propaganda. Wir erklären, was die JCVP hier macht und wer so dabei ist. Wir verzichten aber bewusst auf grosse Kampagnen, weil dies schwierig ist. Wir könnten schon überall Inserate verteilen, die Meisten würden dies aber schnell beiseite legen. Facebook ist natürlich ein Mittel zur Mobilisierung, was für uns bisher auch gut geklappt hat. Anlässe mit mündlicher Propaganda sind trotzdem effektiver.

Wie viele Mitglieder hat die JCVP Nidwalden zurzeit?

Ich habe die genaue Zahl ehrlich gesagt nicht mehr genau im Kopf, es sind zwischen 20 und 25 Mitglieder. Wir sind zwar nicht die grösste Jungpartei hier, aber wahrscheinlich die Aktivste. Ich habe in meinem Vorstand ausschliesslich Leute, die die ganze Woche in Nidwalden sind, was mir kurzfristige Aktionen ermöglicht. Dies ist sicherlich ein Vorteil für uns. Ich habe in meiner Partei lieber weniger Mitglieder, aber dafür umso aktivere als umgekehrt.

Sehen die Mitglieder die JCVP als Sprungbrett für die CVP?

Es gibt solche, aber man kann darüber selbst entscheiden, ob man dies so macht. Bewusst vorgeschrieben haben wir das aber nicht. Ich habe ja schliesslich den umgekehrten Weg von der CVP zur JCVP gemacht.

Stans, 11.08.2016 / Albin Osmani

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